Glückliche Menschen in Güzelvatan

Thomas schreibt:

Im Kreise der Maenner
Es ist schon ein paar Tage her, noch vor Akpinar, das ich die wunderschöne Landschaft südlich der Schwarzmeerküste kennenlernen durfte. Und ich bin sehr sehr dankbar, dieses paradiesische Land gesehen zu haben, sehen zu dürfen.
Mein Weg sollte mich nach Güzelvatan (übersetzt Schönes Vaterland) führen und er war etwas laenger als gedacht. Zudem gab es unterwegs zwei Einladungen und einmal hab ich erst mal den falschen Weg eingeschlagen. So kam es, dass ich abends um fast 19 Uhr mich noch mal aufmachte, da die Menschen, bei denen ich eingeladen war, einen Regenschauer abzuwarten, Tee zu trinken und Gemüsesuppe zu essen, mich nicht aufnehmen konnten, kranke Ehefrau und Mutter und nicht so viel Platz.
Unterwegs, auf dem fast gar nicht befahrenen Weg, entdeckte ich dann noch eine kleine angefahrene Schlange. Sie lebte noch. Ein Stück ihres Darmes guckte heraus und sie quaelte sich. Hab sie an die Seite gelegt und angefangen, für sie zu singen. Damit sie sterben kann. Ich schaemte mich für meine Gedanken, weitergehen zu müssen, da es bald dunkel werden würde. Nach ein paar Minuten des Singens öffnete sie zwei mal ihr Maul, um ihren Körper zu verlassen. Es war so wunderbar, ihr beim Sterben zu helfen. Ich fühle sie für eine Weile in meinem Herzen und wünsche mir, das dieses Schlangenbewusstsein mich unterrichtet und mir die Furcht nimmt, vor diesen wundervollen Geschöpfen. (Schlangen in dieser Gegend sind auch nicht giftig)
Tatsaechlich komme ich in Güzelvatan in der Dunkelheit an. Es ist auch nicht wirklich ein Dorfkern, eher einzelne Haeuser, hier und da Licht, wo soll ich fragen. Es ist inzwischen 20:30 Uhr und nach einer Weile entdecke ich unter einer vereinzelten Strassenlampe ein paar Menschen. Sie warten schon auf mich. Irgendjemand hat sie angerufen, wer weiss ich nicht, sie informiert, dass da ein Wanderer unterwegs ist. Es sind ein paar Maenner und Kinder. Mit Taschenlampe werde ich zu einem Haus geführt. Schnell stelle ich fest, die meisten dieser Maenner sind richtig glücklich. Sie strahen aus ihren Gesichtern. Und mehr und mehr Maenner füllen den Raum, zu sehen, wer denn da gekommen ist. Bald bilden wir eine Gruppe von etwa 10-12 Maennern in einer sehr herzlichen Atmosphaere. Keiner spricht deutsch oder türkisch – kein Problem. Nach einer Weile wird fürstlich serviert, die Speisen sind lecker und alle nehmen an dem Mahl teil. Danach werden noch Nüsse und Popkorn serviert, Çay, Tee.
Danke für diesen wundervollen Abend in Güzelvatan.
Die gute Fee, die gute Frau des Gasthauses entdecke ich am naechsten Morgen, sie hatte gelukt, und war schnell wieder hinter einer Mauer verschwunden. Frauen waren mir an diesem Ort vor meinen Augen verborgen. Bei dem Gang aus dem Dorf bleiben wir noch kurz bei Isa stehen, der ebenfalls gestern da war, es flocht gerade einen Korb.
Glück in Güzelvatan.

 

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