{"id":717,"date":"2012-05-26T15:55:33","date_gmt":"2012-05-26T13:55:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steppps.net\/steppps\/?p=717"},"modified":"2012-05-31T10:26:55","modified_gmt":"2012-05-31T08:26:55","slug":"bruno%c2%b4s-bericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/2012\/05\/26\/bruno%c2%b4s-bericht\/","title":{"rendered":"Bruno\u00b4s Bericht"},"content":{"rendered":"<p>Bruno war letztes Wochenende mitgepilgert:<\/p>\n<p>Thomas wartet am Bahnhof in Spitz auf mich.<br \/>\nVor einem Jahr etwa habe wir uns im Intersein Zentrum in Hohenau. kennengelernt und dort auch zuletzt gesehen.<br \/>\nSo gibt es einiges zu sprechen, auch worauf wir beim Friedenspilgern achten wollen.<br \/>\nWir falten unsere H\u00e4nde, sehen uns in die Augen, verneigen uns und gehen dann im Schweigen in den Ort hinein. Die Strasse ist mit buckligen, grauen Donausteinen gepflastert.<\/p>\n<p>Auf unsere Frage nach \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit bekommen wir die Empfehlung, es doch im Pfarrhof zu versuchen:<br \/>\nHerr Pfarrer Gugler ist zu Anfang misstrauisch und z\u00f6gert, doch er holt Erkundigungen ein und die telefonische Auskunft einer Dame, bei der Thomas vor einigen Tagen \u00fcbernachtete, \u00fcberzeugen ihn schlie\u00dflich, uns aufzunehmen und zu bewirten.<br \/>\nWir schlafen in dem schlossartigen, barocken Pfarrhof in einem sch\u00f6nen<br \/>\nRaum mit Klavier und beim Abendessen und Fr\u00fchst\u00fcck gibt es ein gutes Gespr\u00e4ch.<br \/>\nDie gr\u00f6\u00dfte Sorge ist, ob es einen Nachfolger geben wird, wenn Pfarrer Gugler in Pension geht?<\/p>\n<p>Am Morgen bevor wir losgehen, m\u00fcssen wir uns um Schuhe k\u00fcmmern!<br \/>\nThomas Sandalen l\u00f6sen sich auf.<br \/>\nWir finden tats\u00e4chlich einen hilfsbereiten Schuster, der sich sofort der Sache annimmt und in einer Stunde die Schuhe repariert.<br \/>\nWir erfahren: der fr\u00f6hliche Mann klopft nicht nur mit dem H\u00e4mmerchen auf Ledersohlen: er bedient mit gro\u00dfer Freude in einer Dixieland-Band das Schlagzeug!<\/p>\n<p>Dann nach dem Einkauf \u2013 eine Verbeugung \u2013 und wir gehen im Schweigen mit achtsamen Schritten an der Donau am Treppelweg stromabw\u00e4rts.. Richtung Burma!<\/p>\n<p>Burma\u2026 dieses Wort wird zu einem magischen Wort f\u00fcr mich.<br \/>\nEs sprengt jede Dimension, kann allt\u00e4gliche Sorgen einfach wegwischen,<br \/>\nschafft Gelassenheit und Gleichmut.<br \/>\nJeder Schritt ..\u00a0 ein Schritt n\u00e4her zu Burma, Tibet und Indien!<br \/>\nAuch wenn mein Rahmen nur diese beiden Tage sind, sp\u00fcre ich wie bei dem Gedanken dieser langen Reise sich mein Geist weitet.<\/p>\n<p>Wir machen Piknik am Flussufer, bereiten gemeinsam ein k\u00f6stliches M\u00fcsli mit Fr\u00fcchten zu.<br \/>\nSchau ich auf den Strom, erinnert er mich an den Ganges, den ich vor kurzem auf meiner Indienreise sehen konnte.<br \/>\nIch frage nicht lange und erkl\u00e4re die Donau zum \u201eheiligen Fluss Donau\u201c.<br \/>\nIch verneige mich vor ihr und gr\u00fcsse sie dankbar, sch\u00f6pfe ihr Wasser mit meinen H\u00e4nden und ber\u00fchre und benetze mich damit.<br \/>\nWodurch wird ein Fluss zu einem heiliger Fluss?<br \/>\nDurch die Verehrung der Menschen denke ich und\u00a0 lehrt nicht\u00a0 jeder Fluss,<br \/>\ndie Botschaft von unaufh\u00f6rlicher Ver\u00e4nderung und von Kreislauf, Verwandlung und Wiederkehr?<\/p>\n<p>In Weissenkirchen kann ich Thomas den \u201eG\u00f6tterweg\u201c zeigen. Ich hab ihn so benannt. Er erinnert mich an einen Weg dieses Namens in Italien.<br \/>\nDer Weg f\u00fchrt in der H\u00f6he am Hang entlang durch Terassen von Weing\u00e4rten in Richtung D\u00fcrnstein.<\/p>\n<p>Als Neuling im Friedenspilgern bemerke ich immer wieder, wie meine Gedanken abschweifen, wie ich die Landschaft betrachte: was ich sehe als sch\u00f6n oder weniger sch\u00f6n einstufe und kommentieren m\u00f6chte.<br \/>\nUnd mich schlie\u00dflich besinne: auf den Atem: Einatmen.. Ausatmen!<br \/>\n..Die F\u00fcsse sp\u00fcre auf dem Boden.. die feste Erde bewusst wahrnehme<br \/>\nund im Augenblick bin\u2026 und Frieden denken kann.<\/p>\n<p>Thomas erinnert mich sanft daran, mit Worten oder einfach wie ich ihn neben mir gehen erlebe.<br \/>\nEs ist wichtig f\u00fcr mich von ihm zu h\u00f6ren, wie er sich beim stillen Gehen mit Menschen verbindet: den Gastgebern, den vielen Freunden und Sponsoren, die in Gedanken seinen Weg verfolgen und in Gedanken mitgehen\u2026 jenen die vor kurzem schon mitgegangen sind\u2026 und .. und\u2026 nicht zuletzt mit mir!<\/p>\n<p>Wir sind dann eine gro\u00dfe Schar, die da geht! Wie sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Ich spiele mit dem Gedanken und finde .. jene Menschen, die die Wege gebaut haben.. die unser Essen angebaut und geerntet haben\u2026<br \/>\nAm Treppelweg denke ich an die Pferde, die die K\u00e4hne stromaufw\u00e4rts gezogen haben! .. Ich bin, weil sie sind und sie waren!<br \/>\nSo entsteht Verbundenheit.<\/p>\n<p>Das ist es, woran ich mich in den zwei Tagen \u00f6fter erinnern werde<br \/>\nund dieses Umdenken l\u00e4sst mein Herz weit werden: Es tut sehr gut.<\/p>\n<p>Und immer wieder auch\u2026Bl\u00e4tter schmecken, B\u00e4ume umarmen, Blumen riechen.<\/p>\n<p>Dieses Wochenende ist ein \u201everl\u00e4ngertes\u201c, die Wettervorhersage ist bestens, die Quartiere sind alle besetzt! \u201eKein Zimmer frei\u201c, h\u00f6ren wir diese Tage oft.<br \/>\nGut f\u00fcr die Vermieter. Wir k\u00f6nnen uns f\u00fcr sie freuen.<br \/>\nWir selbst sind optimistisch etwas zu bekommen! Es ist noch lange hell.<\/p>\n<p>Wir erreichen gegen Abend das historische D\u00fcrnstein.<br \/>\nUnser Anklopfen und Fragen hat keinen Erfolg.<br \/>\nEs sieht so aus, als ob wir uns im besten Hotel des Ortes &#8211; ohne Scheu vor den zahlreichen Sternen &#8211; bewerben sollen!<br \/>\nIch halte fast den Atem an, als Thomas sich vorstellt und freundlich unsere Bitte dem Hotelbesitzer vortr\u00e4gt. Ein kurzer Dialog und ich h\u00f6re ihn\u00a0 zu seiner Angestellten sagen: \u201eDreiunddrei\u00dfig!\u201c\u2026 und wir sind G\u00e4ste des Hauses!<br \/>\nIch muss an ein M\u00e4rchen denken.<\/p>\n<p>Das Zimmer 33 hat Aussicht auf den Donaustrom.<br \/>\nDer Fluss gl\u00e4nzt im Abendlicht\u2026Amseln singen ihr Abendlied\u2026<br \/>\nThomas \u201et\u00f6nt\u201c aus dem Bad: er l\u00e4sst\u00a0 die Wanne ein und ruht darin ausgiebig.<\/p>\n<p>Am Morgen: die Glocken! Sonntag!<br \/>\nWir stehen still und sind ganz im Hier und Jetzt.<\/p>\n<p>Soo viele G\u00e4nge hat unser Fr\u00fchst\u00fcck auf der Terasse!<\/p>\n<p>Als wir gehen f\u00fchle ich gro\u00dfe Dankbarkeit.<br \/>\nIch bin ger\u00fchrt Gro\u00dfz\u00fcgigkeit zu erleben.<br \/>\nIch erkenne mehr und mehr die Bedeutung dieser abendlichen Herbergsuche mit der Frage nach einem kostenlosen Quartier und Speis und Trank.<br \/>\nDarin liegt Bedeutung f\u00fcr beide Seiten: den Gastgeber und den Pilger.<\/p>\n<p>So \u00fcbergebe ich an der Rezeption \u2013 gerne und \u00fcberzeugt &#8211; \u201eden Stein\u201c,<br \/>\nden ich gestern am Weg ausgew\u00e4hlt und mitgetragen hatte, mit unserem herzlichen Danke sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Wir \u00fcberqueren die \u201eheilige\u201c Donau in Mautern.<br \/>\nWas gibt es jetzt sch\u00f6neres als ein Bad im Fluss?<br \/>\nAn dem Kiesstrand unter den hohen Pappeln sind wir in der Sonne ganz alleine. Aus dem k\u00fchlen Wasser kommend ist es herrlich am warmen Kies zu trocknen.<\/p>\n<p>Ich habe mir von\u00a0 Thomas gew\u00fcnscht gemeinsam zu T\u00f6nen,<br \/>\ndazu ist jetzt die beste Gelegenheit.<br \/>\nIch habe die Augen dabei gerne geschlossen und bin sehr bei und in meinem K\u00f6rper: singe f\u00fcr meine Schulter, f\u00fcr die H\u00e4nde, die Beine\u2026<br \/>\nEs ist wie ein Dialog unterschiedlicher T\u00f6ne und Rythmen mit ihnen\u2026<br \/>\nund verbindet sich mit dem Gesang von Thomas und jenem des Flusses und<br \/>\ndes Vogels \u00fcber uns.<\/p>\n<p>Ich versuche gleich in der U-Bahn weiterzumachen, Friede zu denken, zu atmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bruno war letztes Wochenende mitgepilgert: Thomas wartet am Bahnhof in Spitz auf mich. Vor einem Jahr etwa habe wir uns im Intersein Zentrum in Hohenau. kennengelernt und dort auch zuletzt gesehen. So gibt es einiges zu sprechen, auch worauf wir beim Friedenspilgern achten wollen. 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