{"id":665,"date":"2012-05-09T16:48:12","date_gmt":"2012-05-09T14:48:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steppps.net\/steppps\/?p=665"},"modified":"2012-05-09T16:49:36","modified_gmt":"2012-05-09T14:49:36","slug":"michael-schreibt-von-den-letzten-3-tagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/2012\/05\/09\/michael-schreibt-von-den-letzten-3-tagen\/","title":{"rendered":"Michael schreibt von den letzten 3 Tagen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Freitag Abend, 4. Mai<br \/>\n<\/strong>Ich sto\u00dfe in Neufelden, im wundersch\u00f6nen M\u00fchltal, wieder zu meinen 2 Pilgerfreunden Thomas und Aurelia. Ein gl\u00fcckliches Wiedersehen. Nur wenig sp\u00e4ter logieren wir 3 schon im 4 Sterne-Hotel direkt am Flu\u00df. Herrlich ruhig ist\u2019s und wir genie\u00dfen stilvollen Luxus.<\/p>\n<p>\u00a0<strong>Samstag, 5. Mai<br \/>\n<\/strong>Am n\u00e4chsten Morgen geht\u2019s gleich wieder an der gro\u00dfen M\u00fchl entlang in den Wald. Nur wenige Menschen verschl\u00e4gt\u2019s heute an diesen herrlichen Pfad, aber einer davon kommt uns mit gro\u00dfen Spr\u00fcngen entgegen: <strong>xxx, <\/strong>K\u00fcnstler und Ehemann unserer G\u00f6nnerin der letzten Nacht. Besonders Thomas und ihn verbinden einige Herzensinteressen und ich staune, da\u00df wir uns nach einer viertel Stunde von einem neuen Freund verabschieden.<\/p>\n<p>Gar nicht viel sp\u00e4ter entscheiden wir uns, f\u00fcr die gro\u00dfe M\u00fchl zu t\u00f6nen. Wir sehen eine einladende Stelle, jeder sucht sich den f\u00fcr ihn passenden Platz im Flu\u00df und dann verbinden wir uns mit uns selbst, mit einander und dem Flu\u00df. Kraftvoll fand ich\u2019s und einfach sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Danach trotzen wir dem kalten Wasser und nehmen ein Bad. Ich sterbe fast, denk ich jedenfalls vorher, aber sp\u00e4testens beim Trocknen in der Sonne am Strand ist es dann doch gro\u00dfartig. Wir haben einen urgem\u00fctlichen Stein zum anlehnen und so bleiben wir noch eine ganze Weile und genie\u00dfen die Sonne und uns, einfach, weil es so sch\u00f6n ist! Und wir t\u00f6nen auch noch f\u00fcr Aurelia\u2019s Gesundheit. Wieder bin ich bewegt, wie so oft in diesen Tagen, durch die liebevolle Art, in der wir f\u00fcreinander und alles, was uns umgibt, da sind.<\/p>\n<p>Eine weitere sch\u00f6ne Begegnung erwartet uns am Abend: eine uns eben noch fremde Frau gibt uns hungrigen Pilgern gro\u00dfz\u00fcgig und wie selbstverst\u00e4ndlich Essen, w\u00e4hrend sie ihre freundschaftlichen Kontakte im ganzen Dorf aktiviert, um ein Nachtquartier f\u00fcr uns zu organisieren. So sitzen wir sorglos, mampfen und staunen, wie sich wieder alles von selbst f\u00fcgt.<\/p>\n<p>\u201eWas hat Sie am meisten bewegt?\u201c, fragt Thomas sie. Als Antwort bekommen wir eine bewegende Erz\u00e4hlung von ihrem tatkr\u00e4ftigen Einsatz f\u00fcr ein armes ostpolnisches Altenheim quasi zum Dessert serviert. Danke!<\/p>\n<p>\u00dcbernachten tun wir schlie\u00dflich im Matratzenlager eines Wikingerhofes an der Donau.<\/p>\n<p>\u00a0<strong>Sonntag, 6. Mai<br \/>\n<\/strong>Auch den n\u00e4chsten Tag beginnen Thomas und ich wieder mit K\u00f6rper\u00fcbungen im Freien. Und wieder sind wir in herrlicher Natur. Die Nebelschwaden \u00fcber der Donau lichten sich langsam, w\u00e4hrend wir auf bewaldete H\u00fcgel schauen, durch die sich neben dem Flu\u00df nur ein kleiner Fahrweg schl\u00e4ngelt. Ich h\u00f6re ein Vogelkonzert so laut und vielstimmig wie selten zuvor.<\/p>\n<p>Nach der Meditation ziehen wir weiter und knabbern Kr\u00e4uter und zarte Fr\u00fchlingsbl\u00e4tter am Wegesrand zum Fr\u00fchst\u00fcck. Doch schon nach wenigen hundert Metern ruft uns jemand zu: \u201eSeid ihr die Pilger?\u201c und flugs sitzen wir an einem paradiesischen Platz an der Donau am Fr\u00fchst\u00fcckstisch. Ein Wunder? Klar, sie war eine Eingeweihte der Quartiersuche vom vergangenen Abend. So viel Gutes und so viel G\u00fcte wird uns in diesen Tagen entgegengebracht!<\/p>\n<p>Und wieder gibt\u2019s Geschichten. Diesmal von vergangenen Zeiten, wie es sich vor 60 Jahren dort lebte, als die Flu\u00dfm\u00fchle nur durch einen Fu\u00dfweg zu erreichen war und wie der Vater in der Nazizeit mehr als 100 gekenterte Donaufahrer davor rettete, in den Wasserwalzen der M\u00fchle zermahlen zu werden.<\/p>\n<p>In mehrfacher Hinsicht gut gest\u00e4rkt ziehen wir weiter. Es geht heute immer die Donau entlang. In besonders guter Erinnerung habe ich unser Mittagessen behalten: Wildkr\u00e4uter und Bl\u00e4tter in Tehina und Oliven\u00f6l gebadet. Lauter Sachen, von denen ich noch vor wenigen Tagen nicht geahnt habe, da\u00df man sie essen kann und die doch so lecker sind!<\/p>\n<p>Und dann noch der Abend, der sehr bewegend war. Wir hatten das kleine St\u00e4dtchen Feldkirchen zu unserem Quartiersort erkoren. Nach mehreren vergeblichen Anfragen, u.a. beim Pfarrer, klingeln wir bei einem sch\u00f6nen, gro\u00dfen Haus. Die Besitzer, ein Ehepaar Ende 60, k\u00f6nnen uns zwar kein Quartier anbieten, aber es entspinnt sich bei Tee und Kuchen ein tiefpers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch. Wir merken alle, wie wichtig es ist, da\u00df wir genau hier geklingelt haben. Nat\u00fcrlich wissen wir nicht, was genau wir bewirken k\u00f6nnen, aber es tut ihnen so sichtlich gut, da\u00df da mal jemand ist, mit dem sie sich \u00fcber den spirituellen Lebensweg austauschen k\u00f6nnen. Wir bleiben wohl l\u00e4nger als eine Stunde.<\/p>\n<p>Und es bleibt intensiv. Eine Frau, die uns erst telefonisch eingeladen hat, bei ihr zu \u00fcbernachten, ruft v\u00f6llig unvermittelt ganz aufgew\u00fchlt und emp\u00f6rt an, um uns wieder auszuladen und uns zu beschuldigen. Wir sind etwas ratlos, fragen noch an vielen weiteren T\u00fcren, um schlie\u00dflich einzusehen, da\u00df wir heute Abend doch genau zu ihr m\u00fcssen, um zu versuchen, ihre Emp\u00f6rung verstehen und hoffentlich aufl\u00f6sen zu k\u00f6nnen. So klingeln wir schlie\u00dflich \u2013 es ist mittlerweile 21 Uhr \u2013 und bitten darum, die Nacht als zahlende G\u00e4ste in ihrer Pension verbringen zu d\u00fcrfen. Sie ist entr\u00fcstet: \u201eNein!\u201c<\/p>\n<p>Es bedarf einiger ganz ruhig-sachlich-liebevoller Erkl\u00e4rungen von Thomas, bevor sie uns schlie\u00dflich doch einl\u00e4\u00dft, obwohl sie immer noch mi\u00dftrauisch ist und sichtlich gro\u00dfe Angst hat. Eigentlich tun wir gar nicht viel. Wir sind einfach nur freundlich und etwas zur\u00fcckhaltend. Thomas gibt ihr einen Infozettel \u00fcber das Pilgerprojekt.<\/p>\n<p>Im Zimmer finden wir einen Zettel, der uns baff macht: dort hat sie Zitate zu einer idealen Lebensweise, wie sie sie sich vorstellt, zusammengestellt, die genauso klingen, als h\u00e4tten wir \u00fcber unsere Ideale geschrieben. Und tats\u00e4chlich d\u00fcrfen wir dann am n\u00e4chsten Morgen in einem Gespr\u00e4ch nach dem Fr\u00fchst\u00fcck noch erleben, wie sie wieder mit uns und sich ins Reine kommt. Als wir schlie\u00dflich bezahlen wollen, lehnt sie ab und l\u00e4dt uns ein. Ich bin wirklich froh und auch ein wenig stolz, bei einem solch tollen Projekt mit dabei zu sein!<\/p>\n<p>\u00a0<strong>Montag, 7. Mai<br \/>\n<\/strong>Nach diesem intensiven Start in den Tag sind wir heute besonders gem\u00e4chlich unterwegs. Im so offen wirkenden, urgem\u00fctlichen D\u00f6rfchen Goldw\u00f6rth sieht Aurelia, wie sich eine junge Amsel in einem in einem Baum h\u00e4ngenden Pre\u00dfseil verfangen hat und fast erw\u00fcrgt wird. Wir organisieren eine Leiter und Aurelia befreit ihn behutsam aus seiner mi\u00dflichen Situation. Doch der arme kleine Kerl ist schon sehr mitgenommen und bedarft auch weiterhin unserer Hilfe. So versuchen Aurelia und Thomas, ihm Wasser und st\u00e4rkende Mittel einzufl\u00f6\u00dfen. Wir beschlie\u00dfen, schon hier unsere Mittagsrast zu halten, damit wir noch weiter auf ihn aufpassen und ihn vor Hunden und Katzen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Es dauert zwar lange, aber schlie\u00dflich findet er doch einige Kraft wieder und h\u00fcpft zu unserer Freude und Erleichterung unter eine sch\u00fctzende H\u00fctte.<\/p>\n<p>Nachmittags rasten wir einmal an der Donau und werden im Spiel zu weisen, koandichtenden Zenmeistern!<\/p>\n<p>In unserem N\u00e4chtigungsort Ottensheim erleben wir wieder einmal die Kraft der Achtsamkeit. Gerade als wir den Marktplatz betreten, beginnen die Kirchenglocken zu l\u00e4uten und in bew\u00e4hrter Plum Village Manier bleiben wir alle drei stehen und zentrieren uns in unserem Atem. Wir m\u00fcssen eine ganze Weile so stehenbleiben, denn die Glocken l\u00e4uten ziemlich lange. W\u00e4hrenddessen ist auf uns gegen\u00fcber ein \u00e4lterer Mann aus dem Hof seines Hauses getreten. Eine Jakobsmuschel prangt \u00fcber dem Eingang. Und w\u00e4hrend wir weiter stehen und zu ihm hinblicken, kommt er langsam aber zielstrebig auf uns zu. Obwohl er den Brauch der Achtsamkeitsglocke nicht kennt, hat er uns \u201eerkannt\u201c. Ich bin wieder mal von den Socken!<\/p>\n<p>Ein freundschaftliches Gespr\u00e4ch entspinnt sich. Er ist sichtlich entt\u00e4uscht, da\u00df er uns leider an diesem Tag kein Quartier anbieten kann, aber wir sind dennoch von dieser Begegnung sehr bereichert.<\/p>\n<p>Auf seine Empfehlung hin gehen wir nun schnurstracks zum Pfarrer, der uns zwar auch nicht bei sich unterbringen kann, der aber doch ein gro\u00dfes Herz f\u00fcr Pilger hat und uns eine sch\u00f6ne Privatpension bucht und bezahlt. Danke, Herr Pfarrer!<\/p>\n<p>Wir haben schlie\u00dflich noch superleckere Eierpfannkuchen zum Abendessen.<\/p>\n<p>\u00a0<strong>Dienstag, 8. Mai<br \/>\n<\/strong>Die kleine, sehr offene Aussprache vom Vorabend hat uns sehr gut getan und die Luft gekl\u00e4rt. So fr\u00f6hlich und frei wie lange nicht mehr starte ich in den neuen Tag. Schon beim Fr\u00fchst\u00fcck gibt\u2019s wieder eine sch\u00f6ne Begegnung. Drei Polen, die auch bei uns gen\u00e4chtigt haben, sind ber\u00fchrt von dem Geist, den das Friedenspilgerprojekt, also wir drei S\u00fc\u00dfen, ausstrahlt. Freu!<\/p>\n<p>Wir gehen gl\u00fccklich wieder die Donau entlang, von der Sonne beschienen und vom Leben geliebt, achtsam und in Stille. Und wir naschen wieder von der reichhaltigen Fr\u00fchlingstafel rund um uns herum.<\/p>\n<p>Bevor ich um die Mittagszeit zum Zug mu\u00df, um f\u00fcr 2 Tage nach Hause zu fahren, nehmen wir uns noch die Zeit f\u00fcr ein Bad in der Donau. Ist das Leben sch\u00f6n! Danke ihr zwei, f\u00fcr Eure W\u00e4rme, Euer L\u00e4cheln, Eure Umarmungen!<\/p>\n<p>\u00a0Bis ganz bald,<br \/>\nMichael<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag Abend, 4. Mai Ich sto\u00dfe in Neufelden, im wundersch\u00f6nen M\u00fchltal, wieder zu meinen 2 Pilgerfreunden Thomas und Aurelia. Ein gl\u00fcckliches Wiedersehen. Nur wenig sp\u00e4ter logieren wir 3 schon im 4 Sterne-Hotel direkt am Flu\u00df. Herrlich ruhig ist\u2019s und wir genie\u00dfen stilvollen Luxus. \u00a0Samstag, 5. Mai Am n\u00e4chsten Morgen geht\u2019s gleich wieder an der gro\u00dfen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=665"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":668,"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665\/revisions\/668"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=665"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=665"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=665"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}