{"id":451,"date":"2010-09-14T15:07:46","date_gmt":"2010-09-14T13:07:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steppps.net\/steppps\/?p=451"},"modified":"2010-09-14T15:36:01","modified_gmt":"2010-09-14T13:36:01","slug":"von-luxenburg-durch-den-hunsruck-richtung-bingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/2010\/09\/14\/von-luxenburg-durch-den-hunsruck-richtung-bingen\/","title":{"rendered":"Von Luxenburg durch den Hunsr\u00fcck Richtung Bingen&#8230;."},"content":{"rendered":"<p>Nachdem so viel gewesen ist, f\u00e4llt es mir schwer, einen Anfang zu finden. Ich versuche es mal mit so etwas wie einer Reihenfolge.#<\/p>\n<p>In Echternach hatte ich noch einen Tag Pause gemacht. Mir war empfohlen worden, da ich ja Pilger bin, den Echternacher Dom\/Kirche aufzusuchen. Das ist eine Wallfahrtskirche. Immer zu Pfingsten reisen Menschen aus Luxemburg, Deutschland, Belgien und anderswo an, um sich an einer Springprozession zu beteiligen. Dabei H\u00fcpfen die Pilger, begleitet von Stra\u00dfenmusik\/Blaskapellen etc. in Gruppen bis zur Kirche, die Willibrord Grab beherbergt. Dieser Willibrord hat hier vor 1300 Jahren missioniert und ist, glaube ich, 739 gestorben. In den Katakomben werden seine Gebeine aufbewahrt. Um sein Steinsarg ist eine weitere kleine steinerne wei\u00dfe Kapelle aufgebaut. Willibrord ist &#8222;zust\u00e4ndig&#8220; f\u00fcr Epileptiker, Gel\u00e4hmte und Gefangene. Hier sind mehrere Heilungen berichtet. Vor dem Grab sind Gebetsst\u00fchle aufgebaut. In diesem Bereich ist eine sehr intensive Energie, die ich als Gebetsengergie wahrgenommen habe. Menschen, die hier intensiv gebetet haben, haben diese Kraft hinterlassen, sehr beeindruckend.<\/p>\n<p>Trier<br \/>\nBefl\u00fcgelt durch das windige, halb sonnige, mit klarer Luft angef\u00fcllte Wetter lief ich dann nach Trier ein. Irgendwie hatte ich trotz achtsamen Gehens 27 km erlaufen.<br \/>\nIn Trier wurde ich im riesigen Dom mit einem Laibtuch Jesus konfrontiert und da frage ich mich nacht\u00fcrlich, kann das echt sein&#8230;&#8230;.?!?!????? Auf jeden Fall machte der Dom mit seiner Raumgestaltung und der angeglieberten in Renovierung befindlichen Liebfrauenkirche und dem nicht besichtigten Kreuzgang einen m\u00e4chtigen Eindruck auf mich.<br \/>\nWas mich begeisterte, war, da\u00df ich seit 5 Tagen immer Bio-Essen hatte oder sogar Geb\u00e4ck, gebacken mit Honig, fand. Wie wunderbar.<\/p>\n<p>Ausonius-Weg<br \/>\nIch habe mich f\u00fcr den Ausonius-Weg\/Strasse von Trier nach Bingen\/Mainz entschieden und pilgere in den n\u00e4chsten 8-10 Tagen auf der Strecke. Ausonius war Gelehrter und Dichter, der im 4. Jahrhundert Kinder der R\u00f6mer in Trier unterrichten sollte. Die R\u00f6merstrasse wurde so um das 1. Jahrhundert nach Christus angelegt, Besiedlung der R\u00f6mer gab es aber schon ab dem 13. Jahrhundert vor Christus. Nachgewiese Spuren von Besiedlung gibt es aber von der Steinzeit, Bronze- und sogar der Eiszeit. All dies lerne ich von Tafeln am Wegrand. Teils haben sich die Gemeinden ins Zeug geschmissen, teils ist nur der Weg beschildert. Der Weg geht meist nicht durch die Ortschaften, ich weiss also nicht, wo man mal einkaufen k\u00f6nnte, denn nicht in jeder Ortschaft gibt es einen Laden &#8211; Von Trier bis Kirchberg war ich demzufolge gar nicht in der Lage einzukaufen.<br \/>\nViel los ist auf dem Weg nicht, weshalb die Infrastruktur des Weges bzw. Umfeldes wohl auch nicht so ausgebaut ist. Wie gesagt, keine Info nach L\u00e4den, aber Cafes etc. scheint es auch nicht sonderlich zu geben. Auch nicht Hinweise, was es denn in den Orten ab vom Weg zu sehen gibt.<br \/>\nEinen Wanderer, Rene, habe ich getroffen, der auch was f\u00fcr andere Wanderer organisiert, so um die Burg Elz herum (www.rekavita.de). Wir haben auf jeden Fall einen netten Schnack.<br \/>\nEin Gro\u00dfteil der Strecke ist bewaldet, doch seit ich bemerkt habe, wieviele W\u00e4lder tats\u00e4chlich W\u00e4lder sein d\u00fcrfen, einfach weil sie Wald sind, registriere ich, das sozusagen fast alle W\u00e4lder, auch gerade hier, zu rein wirtschaftlichen Zwecken existieren, dadurch auch keine riesige Strahlkraft entwickeln k\u00f6nnen. Selten sind B\u00e4ume \u00e4lter als 50, gar 80, Jahre. Doch manchmal gibt es dann so Highlights, wo W\u00e4lder richtige (Heil-)Kraft haben, wo B\u00e4ume 80\u00a0 bis gesch\u00e4tzte 120 Jahre alt sind. Da sich der Weg \u00fcberwiegend in der H\u00f6he befindet, ist die Atmosph\u00e4re machmal etwas schroff. Wenn sich die Landschaft \u00f6ffnet und er Blick weit wird, ich in rundum in die Weite schauen kann, dann befl\u00fcgelt mich auch diese Sicht.<\/p>\n<p>Gesundheit\/Erk\u00e4ltet<br \/>\nBei einigen Bergen &#8211; \u00fcbrigens wundersch\u00f6n bei Echternach, und an den ersten Tagen vom Ausonius-Weg &#8211; bin ich bei den Anstiegen derma\u00dfen ins Schwitzen geraten. Die T-Shirts musste ich dann nach jedem steilen Anstieg wechseln. Hab mich gefragt, woran das liegt. Zu fett? Zu unsportlich? Zu alt :-)? Kenne ich allerdings auch von der innerdeutschen Grenze, von den steilen Anstiegen auf den Lochsteinwegen, auf dem Kolonnenwegen. Auf jeden Fall habe ich mich irgendwie dabei erk\u00e4ltet, es war auch nicht mehr ganz so warm, aber ich konnte nicht mehr als ein T-Shirt anziehen. Bei den Anstiegen oder bei Anstrengung atme ich auch gerne durch den Mund, dies hat meine Bronchien etwas angek\u00fchlt. Jetzt, nach 2 Tagen des Unwohlseins, habe ich mich f\u00fcr einen Pausentag in einem Hotel in Kirchberg eingemietet. Hoffe, da\u00df ich morgen wieder fit bin, ansonsten verl\u00e4ngere ich lieber noch einen Tag.<\/p>\n<p>Umstellung Essen und Essen<br \/>\nVor dem Pilgern habe ich ziemlich geschlemmt und genossen. Etliche Kilos waren die Konsequenz. Einige davon habe ich, glaube ich, falls ich mich nicht t\u00e4usche, schon abgeschwitzt, bzw. verbrannt. Habe jetzt oftmals abends nichts gegessen, was mir sehr bekommen ist, \u00fcbertags habe ich mich auch zur\u00fcckgehalten, nicht nur mangels Einkaufsm\u00f6glichkeiten, sondern auch, weil ich einfach nichts brauchte, und dies auch gemerkt habe.<br \/>\nWenn ich dann in Gastst\u00e4tten oder bei meinen Gastgebern zu essen bekomme, ist es oft Brot mit K\u00e4se und K\u00e4se mit Brot. Gerne auch noch ein Ei.\u00a0 Grunds\u00e4tzlich ist das meist o.k., doch mag ich einfach nichts mehr essen, was von KZ-Tieren, hei\u00dft Tieren aus Massenhaltung kommt. Und die meisten Menschen in unserem Land kaufen ja nicht so bewu\u00dft ein. Die Auswahl des E\u00dfbaren ist dann schon sehr beschr\u00e4nkt, zumal ich auch kein Zucker esse, die Marmeladen auch alle Wegfallen. Wenn es dann auch noch Pl\u00fcschbr\u00f6tchen gibt, schmeckt mir fast nichts mehr.<br \/>\nEsse ich etwas, was ich eigentlich nicht essen m\u00f6chte, danke ich oftmals den Tieren, die die Lieferanten f\u00fcr K\u00e4se oder Eier sind, bitte um Verzeihung und hoffe und bete f\u00fcr eine Bewu\u00dftseins\u00e4nderung in unserer Gesellschaft.<\/p>\n<p>Quartiere<br \/>\nWenn ich ein privates Quartier finde, sind die Menschen immer nett. Und ich freue mich und bin dankbar, einmal, da\u00df sie mir ein Quartier geben, andererseits, da\u00df sie einfach so offen sind. Hier sei ein Paar aus Gonzerath erw\u00e4hnt. Sie war gerade von einer 22km-Pilgerwanderung nach Klausen auf dern anderen Moselseite zur\u00fcck, hatte ein Bad genommen, damit die Muskeln sich wieder entspannen und es war gar keine Frage, mir ein Quartier zu bieten. Auch der Ehemann war sofort einverstanden. Zum Abschied bekam ich dann noch einen kleinen Engel f\u00fcr die Hosentasche. Einfach nett.<br \/>\nAllerdings gelingt es mir h\u00e4ufig nicht, ein privates Quartier zu finden. So n\u00e4chtigte ich schon einige Male unfreiwillig in Pensionen. Eine gewisse Unzufriedenheit nehme ich bei der Gesamtbetrachtung wahr. Hier zwei Erlebnisse aus Niederweiler, meiner letzten Station. Ich lande ich einer Stra\u00dfe. Ich klingele, frage nach einem Quartier. Die Frau, die mir \u00f6ffnet, ist vielleicht 65, gesundheitlich meiner ersten Wahrnehmung nicht angeschlagen, zumindest nicht bewegungsm\u00e4\u00dfig. Als ich sie frage, nachdem sie mir kein Quartier geben will, was f\u00fcr mich v\u00f6llig in Ordnung ist, ob sie denn jemand in der Nachbarschaft kenne, der vielleicht offen f\u00fcr mich sei, sagt sie: Ich wei\u00df eigentlich nicht, wer hier wohnt, ich bin immer nur im Haus &#8211; aha!! Sie wohnt aber schon lange da. Und es handelt sich um ein kleines Dorf. Erstaunlich.<br \/>\nAuch in Niederweiler lande ich dann nach vielem Gefrage in einer Gastst\u00e4tte. Auch hier frage ich die Wirtin, ob sie mir, da ich Friedenspilger sei, kostenlos ein Quartier geben kann. Sie lehnt ab, versucht dann noch im Ort jemand zu finden, der mich aufnehmen k\u00f6nnte, schliesslich gibt sie mir einen Rabatt von 7 auf 20 \u20ac, sie ist von der ganzen Situation, was ich da mache sichtbar ein St\u00fcck aus der Fassung geraten. Awa, eine Frau, die ich dort kennenlerne, besorgt mir noch ein M\u00fcsli f\u00fcr den n\u00e4chsten Morgen, da ich die Wirtin gefragt hatte, ob sie vielleicht ein M\u00fcsli h\u00e4tte, Awa hatte das mitgekriegt. Die Kellnerin bringt mir noch hei\u00dfes Wasser und zwei Pfirsiche, was f\u00fcr ein Schmaus.<br \/>\nSo frage ich mich, liegt mein nicht vorhandener Erfolg, private Quartiere zu finden an mir, oder an der Gegend?<\/p>\n<p>Grenzwechsel Luxemburg\/Deutschland<br \/>\nEs ist immer wieder faszinierend, wie deutlich ein Grenzwechsel zu f\u00fchlen ist. Diesmal gab es noch zwei weitere Koriosit\u00e4ten. In Luxemburg gab es nur ganz kleine Brombeeren am Wegesrand, in Deutschland mittelgro\u00dfe bis gro\u00dfe. Auch kam mir das Gras heller vor. Das mit dem Gras fand ich schon richtig schrill, fragte mich, ist das wirklich so?<\/p>\n<p>Atmen<br \/>\nMein t\u00e4gliches Ritual ist ja das achtsame Gehen, bei dem ich jeden Schritt &#8211; m\u00f6glichst &#8211; achtsam auf der Erde gehe, die Erde f\u00fchle und sp\u00fcre. Auch spielt das Atmen einer erhebliche Rolle bei der ganzen Aktion. Atme und L\u00e4chle, oder die t\u00e4gliche morgentliche Atemmeditation.<br \/>\nSo entdeckte ich auf eine tiefere Art und Weise das Verbinden meines Geistes mit meinem K\u00f6rper, mit jeder Einatmung f\u00fchlte ich, wie mein Geist durch jede Pore meinen K\u00f6rper belebt und belebt und belebt. So setzte ich mich vor ein paar Tagen auf eine Anh\u00f6he, dachte \u00fcber das darunter liegende Dorf nach und den Geist dieses Dorfes. Das Bewu\u00dftsein des Dorfes. Das gemeinsame kollektive Bewu\u00dftsein des Dorfes. Und ich atmete eine Weile mit dem Geist dieses Dorfes.<\/p>\n<p>Geld und Zweifel<br \/>\nWenn ich nun, so h\u00e4ufig in Gastst\u00e4tten oder Jugendherbergen, teils unfreiwillig \u00fcbernachtet habe, geht das ganz gut ins Geld, mein Budget gibt es nach der bisherigen Planung nicht her. Ich weiss nicht von kleinen oder gr\u00f6\u00dferen Spenden, die in den n\u00e4chsten Wochen eingehen, also wie finanzieren.<br \/>\nDann beginne ich gerne zu Zweifeln. An mir und meiner F\u00e4higkeit eines Friedenspilgers, oder der vielleicht sogar totalen \u00dcberforderung damit.<br \/>\nGl\u00fccklicherweise ist der Zweifel nicht so intensiv wie fr\u00fcher manch mal. Er darf einfach mal da sein, oder er zeigt mit, da\u00df ich wieder zuviel gemacht habe, mich \u00fcberfordert habe.<\/p>\n<p>Gruppe<br \/>\nUnd der Wunsch nach einer permanenten Gruppe, als die wir zusammen friedenspilgern, w\u00e4chst. Das w\u00fcnsche ich mir. Und viel Unterst\u00fctzung von Euch allen. F\u00fcr ein neues Bewusstsein auf diesem wundersch\u00f6nen Planeten, auf dem wir mit allen Lebewesen im Frieden miteinander leben.<\/p>\n<p>Ein herzlicher Friedensgru\u00df an Euch<br \/>\nThomas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem so viel gewesen ist, f\u00e4llt es mir schwer, einen Anfang zu finden. Ich versuche es mal mit so etwas wie einer Reihenfolge.# In Echternach hatte ich noch einen Tag Pause gemacht. Mir war empfohlen worden, da ich ja Pilger bin, den Echternacher Dom\/Kirche aufzusuchen. Das ist eine Wallfahrtskirche. 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