{"id":345,"date":"2010-04-12T15:15:24","date_gmt":"2010-04-12T13:15:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steppps.net\/steppps\/?p=345"},"modified":"2010-04-12T15:16:24","modified_gmt":"2010-04-12T13:16:24","slug":"wieder-auf-dem-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/2010\/04\/12\/wieder-auf-dem-weg\/","title":{"rendered":"Wieder auf dem Weg"},"content":{"rendered":"<p>Gestartet bin ich am 9.4. in Esterwegen. Meine Tante &#8222;Hannelore&#8220; erwartete mich bereits am Bahnhof in Papenburg, um zusammen mit mir nach Esterwegen zu fahren. Vielleicht erinnerst Du Dich, da\u00df in Esterwegen mein Gro\u00dfvater (ihr Vater) f\u00fcr 9 Monate im KZ war. Wir haben uns dort ausf\u00fchrlich umgesehen. Diesmal, anders als im Oktober mit meinen Eltern, konnte das Gel\u00e4nde begangen werden. Auf den Teilen des Gel\u00e4ndes, auf dem fr\u00fcher die Baracken der Inhaftierten standen, wurden die B\u00e4ume, die dort zwischenzeitlich gewachsen waren stehengelassen und zu den Umrissen der Baracken wurden zurs\u00e4tzlich kleine Buchen gepflanzt. Ein sch\u00f6nes Zeichen der Hoffnung, besser, als die Baracken wieder aufzubauen. Die Gedenkst\u00e4tte ich gewachsen, es wurden an den 4 Ecken des Gel\u00e4ndes die Mauern in Stahl nachgebildet, auch die Wacht\u00fcrme in der damaligen H\u00f6he als Stahlschatten nachgebildet. Der Eingangsbereich, ein vorher 7 Meter hohes Tor, wurde jetzt durch ebenfalls eine Stahlwand dargestellt\/nachempfunden.<\/p>\n<p>10.4.<br \/>\nMein Fu\u00df schmerzt. Rechts unten zwischen Ferse und Spann ist ein enormer, gespannter, gehaltener\u00a0Schmerz &#8211; der bis heute (12.4.) sich noch nicht verd\u00fcnnisiert hat.\u00a0<br \/>\nAm\u00a0Abend nimmt mich Wilhelm in sein Zuhause auf. Seine Eltern sind gestorben und so bewohnt er das riesige Geb\u00e4ude alleine. Er hat eine Schweinezucht (1000) und Bullenzucht (100), bewirtschaftet alles alleine mit nur einer zus\u00e4tzlichen 400 \u20ac Kraft. Eine Biogasanlage wird mit Abf\u00e4llen bewirtschaftet (auch jede Menge Schlachtabf\u00e4lle werden hier zu Strom genutzt) eine weitere ist in Bau &#8211; soll mit Mais und Getreide bewirtschaftet werden.<\/p>\n<p>Am 11.4. komme ich durch die W\u00fcstung Wahn. Ein Ort, damals 800 Einwohner, die pr\u00e4chtige Kirche war gerade fertiggestellt, wurde 1937 &#8211; 1942 von den Nazis plattgemacht. Die Bewohner wurden umgesiedelt, weil Krupp hier ein weites Gel\u00e4nde f\u00fcr das Testen von Munition brauchte. \u00dcberall sind Gedenkschilder aufgestellt, die Familien und die Nachbargemeinden haben hier den Ort als Erinnerung geweckt. Eine damalige Hecke ist jetzt eine stattliche Buchenwand. Auf ca. 1 Meter H\u00f6he sind die einzelnen B\u00e4ume aufs merkw\u00fcrdigste zusammengewachsen, umarmen sich oder bilden kleine 50 cm hohe Tore. In der ganzen Gegend herrscht eine wunderbare herzliche Stimmung. Das muss ein sehr sch\u00f6nes \u00d6rtchen gewesen sein, in der sich die Bewohner richtig wohlgef\u00fchlt haben.<br \/>\nSp\u00e4ter streife ich durch ein Schiessgel\u00e4nde der Bundeswehr. Wenn geschossen wird, werden hier die Schranken geschlossen, und doch lande ich nach durchlaufen des Heidegel\u00e4ndes vor einem Schlagbaum. O.k. Umweg laufen. Mein Tag endet leider nicht in Lathen, wie geplant, sondern die Unterkunftssuche gestaltet sich schwierig und ich lande 2 Orte weiter in einem Pferdehof, werde dort gerne aufgenommen &#8211; hier haben bis zum Morgen 60 pubertierende M\u00e4dels und vielleicht 2-5 Jungen (f\u00fcr die Quote) gehaust. Der Hausherr \u00fcberl\u00e4\u00dft mir das ganze Geb\u00e4ude, im K\u00fchlschrank ist noch etwas Brot, Magarine, Frischk\u00e4se und ich finde noch ein paar Ostereier. Einen Teekocher gibt es auch. Ein Gl\u00fcck, weil ich habe nichts mehr&#8230;.<\/p>\n<p>Heute, jetzt bin ich in Haren\/Ems. Es beherbert einen stattlichen Dom. Ein freundliches\u00a0St\u00e4dtchen.<\/p>\n<p>Mitunter frage ich mich, warum ich diese\u00a0Friedenspilgerreise \u00fcberhaupt tue. Was\u00a0es denn sonst\u00a0sein k\u00f6nnte, was ich tun k\u00f6nnte? Wenn ich mich das frage, f\u00e4llt mir nicht wirklich was ein. Also bin ich\u00a0wahrscheinlich doch auf dem\u00a0richtigen Weg.<br \/>\nHerzGr\u00fc\u00dfe<br \/>\nThomas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestartet bin ich am 9.4. in Esterwegen. Meine Tante &#8222;Hannelore&#8220; erwartete mich bereits am Bahnhof in Papenburg, um zusammen mit mir nach Esterwegen zu fahren. 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