{"id":1378,"date":"2013-05-10T13:54:27","date_gmt":"2013-05-10T11:54:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steppps.net\/steppps\/?p=1378"},"modified":"2013-05-12T12:47:24","modified_gmt":"2013-05-12T10:47:24","slug":"aktuell-samsun-mitpilgern-erfahrungen-der-letzten-woche-doppelweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steppps.net\/steppps\/2013\/05\/10\/aktuell-samsun-mitpilgern-erfahrungen-der-letzten-woche-doppelweg\/","title":{"rendered":"Aktuell Samsun \/ Mitpilgern \/ Erfahrungen der letzten Woche \/ Doppelweg"},"content":{"rendered":"<p>Thomas schreibt:<\/p>\n<p><strong>In Samsun angekommen<\/strong><br \/>\nWir, Magdalena, Paulin mit 1-Tages-Mitpilger Adnam und ich\u00a0sind in Samsun angekommen. Am 7.5. gegen Abend. Bei der Quartiersuche versammelten sich Murat (unser anfaenglicher Helfer), die Polizei mit 2 Autos, unser Gastbeber mit einem Auto, und ein paar andere Leute vor dem Restaurant, in dem ich von Murat zu Suppe und Reis vorher eingeladen wurde. Mit dieser ganzen Mannschaft ging es dann zur Auslaenderbeh\u00f6rde, wo unsere Daten erfasst wurden &#8222;zu unserer Sicherheit&#8220;. Die Mitarbeiter mussten angerufen werden, da die Beh\u00f6rde schon geschlossen hatte und so dauerte das ganze Prozedere bis etwa 21 Uhr. Uns allen kam es aberwitzig vor und weiterhin werden wir an unserer Unterkunft &#8211; ein Gaestehaus der Stadt Samsun an einem Berg gelegen mit allerherrlichsten Blick auf die 577.000 Einwohnerstadt &#8211; bewacht.<br \/>\nUnser Gaestequartier hat ein k\u00f6niglich angegliedertes Restaurant mit Terasse wo wir kullinarisch bestens versorgt sind.<br \/>\nEs ist schon wundersam, was uns tagtaeglich passiert. \ud83d\ude42<\/p>\n<p><strong>Mitpilgern \/ Doppelroute<\/strong><br \/>\nZur Zeit sind wir zu dritt unterwegs. Magdalena, Paulin und ich. In den letzten Wochen hat sich herausgestellt, das es dem Paar Paulin uns Magdalena ganz gut tut, alleine unterwegs zu sein. So haben wir uns immer freitags getrennt und dann nach ein paar Tagen wieder getroffen. Kurz vor dieser Zeit und waehrenddessen hat sich in mir ein unerwarteter Prozess in Gang gesetzt.<br \/>\nIch f\u00fchle, mir sind all die Bed\u00fcrfnissanmeldungen einiger Mitpilger und die staendige R\u00fccksichtnahme nach einem Jahr und im Moment zuviel geworden. Ich habe das Gef\u00fchl, dass das gestartete FriedensPilgerprojekt, oder zumindest wie ich es mir vorstelle, f\u00fchle, wahrnehme, umsetzen m\u00f6chte, in Gefahr geraten k\u00f6nnte. Auch im letzten Jahr war dies schon einmal der Fall gewesen.<br \/>\nIn der aktuellen Situation hab ich das Bed\u00fcrfnis, etwas mehr zu laufen und auch eine andere Route zu gehen.<br \/>\nDiese Route ist auch etwas weiter, als die Route, die Magdalena und Paulin einschlagen werden. Ich werde von Samsun noch etwa 70 km weiter \u00f6stlich bis nach Terme laufen, von da aus direkt nach S\u00fcden gehen \u00fcber Sivas nach Kahramanmara\u015f und \u0130skenderun nach Antakya\/Hatay zum s\u00fcdlichsten Zipfel der T\u00fcrkei bis an die syrische Grenze.<br \/>\nMagdalena und Paulin planen direkt von Samsun Richtung Kayseri und Kapadokien (Nevshehir) zu gehen. Von da geht es weiter nach Mersin. Ich werde dann von der syrischen Grenze (Syrien ist im Moment wegen des B\u00fcrgerkrieges abgeschottet) mit dem Bus nach Mersin reisen und dort ggf. die beiden wiedertreffen.<br \/>\nDann werden wir evtl. gemeinsam die Schiffsreise nach Libanon antreten (vermutlich \u00fcber Zypern). Ich m\u00f6chte auf jeden Fall angefangen von der syrischen Grenze im Libanon die Fussreise fortsetzen und so Israel erreichen.<br \/>\nAllerspaetestens in Israel\/Palaestina wollen wir dann wieder gemeinsam unterwegs sein.<\/p>\n<p>Anfaenglich war mir gar nicht wohl bei dem\/den Gedanken, das unsere Gemeinschaft sich trennt, f\u00fcr eine laengere Weile trennt. Doch vielleicht ist dies gerade genau richtig. Vielleicht ist es sogar n\u00f6tig, weil uns das Leben in dieser Zeit auf verschiedene Weise schulen wird\/m\u00f6chte. Vielleicht und ich kann sagen, ich gehe davon aus, gehen wir alle gestaerkt aus dieser Zeit hervor und k\u00f6nnen unsere Erfahrungen dann nach der Wieder-Gruppenzusammenf\u00fchrung positiv einbringen.<br \/>\nDas tolle ist, wir gehen im Frieden und in Freude &#8222;getrennte&#8220; unterschiedliche Wege. Tatsaechlich sind wir ja nicht getrennt, wir sind miteinander verbunden &#8211; und sicher erreichen wir so noch viel mehr Menschen (und Jandarma\/Polizei\/schmunzel). Paulin und Magdalena f\u00fchlen sich dem Friedenspilgerprojekt und steppps weiter verbunden.<\/p>\n<p>Und auch wenn ich mich durch etliche und viele Bed\u00fcrftigkeiten der einzelnen Mitpilger oftmals zur\u00fcckgehalten und gebremst\u00a0f\u00fchlte, haben mich die gemeinsamen Zeiten auch gestaerkt, vieles einfacher gemacht. So ist mein Alleine-Unterwegs-Sein f\u00fcr die naechsten Monate auch eine Herausforderung, alleine alles organisieren m\u00fcssen, auf mich alleine gestellt sein, mit Quartiersuche und &#8222;Polizeibetreuung&#8220; etc.<\/p>\n<p>Nach ausf\u00fchrlichem Austausch und nachdem klar war, dass ich nun etwa 3 Monate (+&#8230;.) alleine unterwegs sein werde, war die letzte Woche vor Samsun so etwas wie ein Probelauf. Magdalena und Paulin waren f\u00fcr eine Pause an einem Stausee in den Bergen geblieben.\u00a0In mir hatte\u00a0sich noch ein weiterer Wunsch gehegt &#8211; ich wollte\/will f\u00fcr laengere Zeit in die Stille und ins Schweigen gehen. So betrachtete ich diese Tage mit den Augen eines zuk\u00fcnftig Schweigenden &#8211; wie alle diese Situationen &#8211; w\u00fcrde ich es alleine schweigend unterwegs meistern k\u00f6nnen?<br \/>\nSo traf ich Ali, eigentlich einen Berliner, lebt seit seinem 11. Lebensjahr in Berlin und ist jetzt 47. Er\u00a0hat in der Vergangenheit alle m\u00f6glichen Drogen geschluckt und jede Menge\u00a0Alkohol getrunken. Jetzt ist er clean, hat eine Therapie hinter sich und seine 3 Monate in den Bergen in seinem Heimatdorf\u00a0mit der Stille\u00a0und Reinheit der Natur sollten\u00a0ihm ebenfalls helfen, sein Leben in den Griff zu bekommen.<br \/>\nAm naechten Tag wurde ich von Mustafa und seiner Familie eingeladen. T\u00fcrken sind machmal &#8222;unheimlich&#8220; gastfreundlich, wie in diesem Fall. In seinem Haus ist Geschlechtertrennung besonders wichtig. Ich landete mit ihm in einem extra Wohnzimmer waehrend seine Frau das Essen bereitete. Seine Cousine lebte ebenfalls in dem Haus, ist etwa 35 Jahre alt und hat einen Verehrer. Dieser ist auch ungefaehr 35 Jahre und wurde an diesem Abend erwartet. Ausgebildeter und inzwischen schon berenteter Lehrer, jetzt Imker. Er brachte einige Geschenke, wie Erdbeeren und Brot &#8230;.mit, die w\u00fcrdig empfangen wurden. Die\u00a0recht beleibte Cousine war nat\u00fcrlich recht aufgeregt und der Zuk\u00fcnftige nahm in der K\u00fcche neben ihr Platz, nat\u00fcrlich mit einem kleinen Sicherheitsabstand, der von dem Hausherr und der Hausdame (sie hatte aufgeregt\u00a0vorher am Fenster gewartet)\u00a0wie eingefordert auch bewacht, beaeugt\u00a0wurde. \ud83d\ude42 Die beiden Brautleute wird\u00a0es\u00a0bald in seine Heimat am Mittelmeer\u00a0nach Marmara ziehen. Und die Blicke meiner Gastgeber waren auch eindeutig, so wie die Brautleute es gar nicht erwarten k\u00f6nnen miteinander zu sein, schauten mich Hausherr und\u00a0Frau mich mehrfach wissend an, das sie es denn nun\u00a0bald miteinander tun w\u00fcrden, freudig, fast erregt, kaum abwarten k\u00f6nnend und doch der\u00a0Pflicht\u00a0und den Regeln dieser\u00a0streng glaeubigen Familie\u00a0folgen m\u00fcssen.\u00a0 Alles kam\u00a0Filmszenen gleich, mit \u00fcberzeichnenden Charakteren, die ich schon des \u00f6fteren im t\u00fcrkischen Fernsehen verfolgt hatte.\u00a0Im tuerkischen gibt es ein Wort f\u00fcr Gast\u00a0&#8222;misafir&#8220; und ein weiteres f\u00fcr gastfreundlich &#8222;misafirperver&#8220;.\u00a0Pervers und \u00fcberzeichnet f\u00fcr die Gastfreundlichkeit war dann nun diese\u00a0Szene: Nach dem Essen ging ich wieder mit Mustafa in\u00a0das Wohnzimmer. Er hatte Waln\u00fcsse dabei und die mussten nun noch geknackt werden. Obwohl ich schon recht satt war, wollte ich gerne noch welche\u00a0essen. Abwechseln reichten wir uns den Nussknacker bis er schiesslich meinte, er m\u00fcsse nun die N\u00fcsse f\u00fcr mich knacken. Das fand\u00a0ich nun der Gastfreundschaft etwas zu viel und gab ihm zu verstehen, dass ich das alleine k\u00f6nne. Dies wiederum wollte er nicht\u00a0akzeptieren und rief, ja schrie immer ganz laut &#8222;misafir&#8220;\u00a0und versuchte mir nun diese Waln\u00fcsse in den Mund zu stopfen, was\u00a0f\u00fcr mich dann die Erklaerung des Wortes\u00a0&#8222;misafirperver(s)&#8220;\u00a0bezeichnete &#8211; fragte ich mich nur, wo dann die versteckte Kamera\u00a0war.<br \/>\n\u0130m naechsten Ort kam es dann zu einer Taschendurchsuchung meiner Gastgeber und deren Nachbarn um sicher zu gehen, dass ich nun kein Terrorist\u00a0sei. Grundsaetzlich hab ich damit kein Problem &#8211; doch es war mehr so ein \u00fcber meine Tasche herfallen&#8230;&#8230;..<br \/>\nUnd\u00a0an einem Tag tauchte die Polizei in einer so agressiven Weise auf, das\u00a0ich\u00a0\u00fcberrascht war, Angst in mir zu f\u00fchlen und mich fragte, ob vielleicht doch Terroristen in der Naehe sind.<br \/>\nIn der ganzen\u00a0Woche in den Bergen von\u00a0Yakakent bis Samsun war die Natur unbeschreiblich sch\u00f6n, die bewaldeten fr\u00fchlingsgr\u00fcnen und -frischen Berge, Stauseen und ein herrlicher Fluss, der mich etwa 3\u00a0Tage begleitete und super Badel\u00f6cher hatte (nackt gebadet). Der Himmel und die Luft waren ausserordentlich klar und blau. Sch\u00f6ner kann Natur\u00a0nicht sein.<\/p>\n<p><strong>Und hier noch etwas zum Mitpilgern. WICHTIG!!!!!!!!!!!!!!!<\/strong><br \/>\nIch bin mir im Moment nicht sicher, ob ich in den naechsten Monaten Mitpilger empfangen kann. Ich bitte evtl. Interessenten deshalb vorher um Anfrage per SMS oder Email (Internetzugang nicht immer gewaehrleistet). Falls nicht mit mir kannst Du evtl auch mit Magdalena und Paulin\u00a0laufen. Das ist dann aber vorher bitte abzuklaeren.<br \/>\nWas ich aber klar f\u00fchle, spaetestens in Israel bin ich wieder bereit, Mitpilger in Empfang zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas schreibt: In Samsun angekommen Wir, Magdalena, Paulin mit 1-Tages-Mitpilger Adnam und ich\u00a0sind in Samsun angekommen. Am 7.5. gegen Abend. 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