Zitate - Gedanken

“Atme und Lächle”

In Österreich angekommen

Liebe LeserInnen,
unsere Gruppe von 5 Friedenspilgerern ist in Hittisau angekommen. Vorherige Stationen waren Bregenz, und ein kleiner Ort an der Bregenzerach. Unsere Gastgeberin in Bregenz, Nicole, war ebenfalls einen Tag mitgelaufen.
Ich freue mich sehr, dass wir jetzt eine “richtige” Gruppe sind. Auch haben wir ein Begleitfahrzeug dabei. Sandra sucht uns jeden Abend ein Quartier und es klappt wunderbar.

Der Fluss Bregenzerach ist von einer wunderbaren Schönheit. Ausgewaschene Abschnitte, Geröllinseln und das klare hellgrüne Wasser aus den Bergen hat uns fasziniert – wir haben richtig genossen.

Das Wetter ist sehr sonnig. Von Zeit zu Zeit muss ich mir neben meinem Cappi noch einen turbanähnlichen Aufbau, gebastelt aus einem Rollkragenpullover, bauen.

Unsere Gastfamilie hier in Hittisau hat einen kleinen Bio-Bauernhof. Bis vor kurzem haben sie Truthähne aufgezogen und auf Bestellung geschlachtet und verkauft. Fonz hat erzählt, dass sie nun die Haltung eingestellt haben – trotz sehr guter Nachfrage – da es quasi unverantwortlich ist, das Tiere mit Unmengen von Getreide gefüttert werden, während auf der Welt in anderen Regionen Menschen nichts zu essen haben.
Heute morgen haben wir uns zusammen mit Daniela und ihren drei Kindern zwei Besingungen gewidmet. Eine davon betraf das Thema Bienen. Bekanntlich sterben ja weltweit viele Bienenvölker – so hatten unsere Gastgeber der letzten Station auch 3 Völker verloren…. – Daniela und Fonz haben auch Bienen.
Wir haben für die Bienen gesungen und ein bisschen mehr verstanden. Die stolzen Völker bestäuben und sammeln riesige Mengen goldenen Nektars ein. Sie sind bereit, dies gerne mit uns zu teilen, möchten aber auch noch gerne etwas davon behalten. Und – und das hat mich sehr berührt, sie möchten auch von bewussten, ganzheitlich denkenden Menschen, von uns Menschen, lernen.

Morgen sollte es evtl. über einen Grat Richtung Sonthofen, also auf die deutsche Seite gehen. Doch die Berghütten öffnen erst am 1.5. und auch auf 1.800 Meter liegt noch ein wenig Schnee (vielleicht so 20 cm). Wir haben uns nach einigem Hin- und Her und manchem Telefonat entschlossen, morgen einen Weg über nur ca. 1.200 Meter in unsere Wunschrichtung zu gehen.

Wie gesagt, das Wetter hier ist traumhaft, die Sicht und Stimmung gut. Alles Liebe Euch.

Täglich in Achtsamkeit

Liebe Friedensfreunde,
bei all der Schilderung über die Ereignisse auf dem Weg, entlang des Weges oder in Begegnung mit all den lieben Menschen kommt manchmal das tägliche Tun in der Beschreibung zu kurz……
Deshalb ein paar Zeilen zum Täglichen Achtsamen Tun.

Jeden Morgen lade ich all die lieben Meister und Lehrer ein, mit mir/uns zu gehen, das sind Jesus, Buddha, Franz-von-Assisi und Thich Nhat Hanh. Das ist auch manchmal der Unterricht der Präsenz. Der Unterricht der Liebe und des Mitgefühls. Das ist auch Maria und Avolikiteshvara…….
Und das sind auch Freunde oder Menschen, die mitgehen wollen oder die ich/wir einfach einladen. Das können die Gastgeber des letzten Quartiers sein, Menschen, die darum gebeten haben oder Menschen an die wir/ich denken, z.B. der verstorbene Stephan, von dem ich heute berichtet habe……

Und jeden Tag danke ich für die Begegnungen, lege den Tag und all die Ereignisse in Dankbarkeit in Mutter Erdes Schoss. Verbeuge mich vor Mutter Erde und bin mir ihrer Gaben bewusst.

Jeden Tag gehen ich/wir mit unseren Füssen die Erde berührend auf diesem wundervollen Planeten. Wir atmen die nährende Luft und verbinden unseren Geist und Körper zu einer Einheit. Wir erfahren die Liebe Gottes und des Universums und bewegen, tragen und nähren unser Herz.

Wir bemühen uns, unseren inneren Frieden von Tag zu Tag zu erhalten und  zu vertiefen. Möge er ausstrahlen in die Welt.

Möge unsere Sehnsucht, das die ganze Welt in Frieden leben möge, sich mit allen Wesen verbinden und ausbreiten.

Von Herzen
Thomas

4 MitpilgerInnen

Über Ostern, genauer gesagt schon ab morgen, werden wir 5 Leute sein, die für den Frieden pilgern. Wir treffen uns am Bodensee in der Nähe von Lindau. Und dann geht es über Bregenz in die Alpen. Freue mich schon sehr auf die Natur, die Berge und auf das gemeinsame Schweigen und Gehen und Sein für den Frieden, in uns und in der Welt.
Wer sich kurzentschlossen noch zu einer Reise zu uns, oder mit uns entscheidet, ist herzlich willkommen.

Stephan

Stephan kenne ich aus Waldbröl. Letztes Jahr im Juni, als Thich Nhat Hanh dort war, war er mir aufgefallen. Meisst hab ich ihn beim Essen gesehen und mich über seine wunderschöne, unglaubliche Präsenz gefreut. Schliesslich hab ich angesprochen. Stephan war da so ca. 23-25 Jahre alt. Er war ein Jahr in Japan bei einem Zen-Meister und hatte gelernt, Achtsamkeit zu kultivieren. Er erzählte auch, dass er gelernt habe, seine Sexualität zu kontrollieren und jetzt nicht mehr das Bedürfnis nach Sex habe. Eigentlich könne er Mönch werden, was er auch gerne würde – aber er habe sich entschieden, Pädagogik in Konstanz zu studieren. Er möchte den Kindern was von den Weisheiten (Achtsamkeitsübungen, Atemübungen, das Wissen vom Sein im Hier und Jetzt….), die er in Japan erlernt hat, weitergeben.  
Ich erzählte ihm von meiner Friedenspilgerreise und wir waren uns schnell einig, dass wir uns in Konstanz im April dieses Jahres wiedersehen werden.

Also schrieb ich Mitte März ein paar Zeilen per Email, meldete mich an. Ich hatte nur seinen Vornamen, die Email Adresse und seine tatsächliche Postadresse. Es kam keine Antwort. Meine Überlegung war, vielleicht die Route sogar zu ändern, ich könnte auch von Winterthur direkt nach Bregenz gehen, es gefiel mir ja auch gut in der Schweiz. Und doch – ich wollte ihn gerne wiedersehen, dachte, vielleicht meditiert er jetzt noch mehr, vielleicht liest er gar keine Emails mehr, ich geh einfach vorbei. Die Route bleibt so. Fühlt sich gut an. (Kurz kam auch in mein Hirn, vielleicht will er mich ja auch gar nicht sehen.)

Ja, und dann stand ich da vor der Tür, und Marianne machte mir auf. Ich erkundigte mich nach Stephan und sie eröffnete mir, dass er gestorben sei.
Er war Anfang März, noch vor dem Tsunami, nach Japan gefahren, wollte dort nun Mönch werden. Noch am ersten Abend, nach seiner Ankunft in Tokio, war er von einem Haus gestürzt. Sie sagt, dass aus dem Polizeibericht hervorging, dass das Haus gar nicht so hoch war, dass man eigentlich bei einem Sturz von dem Haus unter normalen Umständen nicht stirbt.
Was war also nun passiert? Ich weiss es natürlich auch nicht, und ich bin kein naher Angehöriger, noch nicht mal ein guter Freund. Wir haben uns nur ein paar mal unterhalten – hatte mich schon gefreut, jetzt mit ihm zu meditieren – mit ihm vielleicht einen Pausentag zu verleben, um dann weiter zu gehen.
So ein toller Mensch. Mit so einer tollen Ausstrahlung. So jung. Einfach gestorben. Hat er Selbstmord begangen? War er verzweifelt? War es ein Kurzschluss? War es ein Unfall? Er war doch noch nicht mal dort in Japan angekommen, wo er hinwollte.
Ja, und man kann ihn nirgendwo nunmehr treffen. Ich vermisse es, ihn nicht treffen zu können, seine Freude und Ausstrahlung wahrnehmen zu können. Er besteht keine Möglichkeit, das er da irgendwo auf dem Fahrrad dahergefahren kommen könnte. Und es so schade, das so viele Menschen ihn nicht mehr erleben können.
Und wo ist er jetzt? Kann ich vielleicht anders Kontakt mit ihm aufnehmen. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass es ihm jetzt nicht gut geht?!?!!
Auf jeden Fall trage ich die Erinnerung an ihn in mir, in meinem Herzen, in meinem Bauch, in meinem Gefühl. Und da lebt er ein bisschen weiter hier auf Erden. Und da nehme ich ihn etwas mit, beim Gehen, beim Meditieren.

Und ich betrachte aus der Nicht-körperlichen Ebene unser Sein auf der Erde. Dieses Spiel des Lebens. Sollten wir es nicht einfach nur geniessen? Ist es nicht das Beste, einfach nur jeden Moment des Lebens mit jedem Atemzug zu geniessen, alles wahrzunehmen, jeden Moment auszukosten, was auch immer er bringt?!!!!!!!!!! Jaaaa!!!!!

Danke Stephan, dass ich Dich kennenlernen durfte. Schade, dass es Dich hier nicht mehr gibt. Schön, dass es Dich hier gab. Und schön, dass Du irgendwie doch noch da bist. Ich grüsse Dich aus tiefem, liebendem Herzen.
Den Angehörigen und Freunden sende ich mein Mitgefühl. Und ich möchte herausrufen:  Freut Euch an dem, was er Euch gegeben hat.

Und: Wir sollten uns alle immer an allen Begegnungen erfreuen, die wir tagtäglich erleben. Sie sind kostbar und sind alle einmalig.

Aus Friedrichshafen am Bodensee

Es ist 20:20 Uhr. Ich habe Zeit, den ganzen Abend den Blog zu ergänzen. Und doch….. sitze in einem Spielcasino mit Internetanschluss. Die Musik ballert in mein Hirn. Der Rauch….. ob ich mich wohl konzentrieren kann?
In Konstanz hab ich auch schon einen Versuch unternommen, fehlgeschlagen. Vielleicht kusiert da die Internet-Mafia (falls es sowas gibt-zu teurer) und da, wo es nicht unbedingt zu teuer war, war es schlecht zu bedienen – und ohne Sitzplatz. Falsche Taste gedrückt und all mein bereits geschriebener Text war weg. Nun denn, ich versuchts:

Es ist superviel geschehen, seit ich das letzte Mal geblogt habe. Ich werde mal nicht in der Reihenfolge der Ereignisse berichten, gibt mir ein bisschen mehr Freiheit, zu sehen, wann ich nicht mehr kann.

Schweiz verlassen
Es war schön in der Schweiz. Hat mir gefallen.
Nach Zürich war ich erst mal in Dübendorf, bei Deutschen “Gastarbeitern”. Die hatten Einiges zu berichten, von Ihren Schwierigkeiten, in einem fremden Land. Von Vorbehalten der Schweizern gegenüber Deutschen, von Problemen bei der Arbeitssuche, und auch von ihren Schwierigkeiten, Schweizer Freunde zu finden. Irgendwie waren die beiden, wie sie sagten, quasi alleine, sie hatten sich selbst und ihren Hund. Bei der Arbeitssuche hatte sich Sabine bald angewöhnt, vor der Bewerbung vorher mal anzurufen und zu fragen, ob sie überhaupt Deutsche nehmen. Manchmal sagten die Arbeitgeber ganz offen am Telefon: Falls sich niemand anderes bewirbt. Wenn sie mal Schweizer auf einen Kaffee eingeladen hatten, haben die ein, zwei mal abgelehnt. Später haben diese einfach die Straßenseite gewechselt, um Sabine und Gerd aus dem Weg zu gehen.
Als ich in Dübendorf ankam, kam ich mit zwei Ausländern ins Gespräch, einer Latino, der andere Afrikaner. Der Latino hatte offensichtlich Schwierigkeiten, das Schweizer “ch” auszusprechen, er bemühte sich so sehr, dass ich mir dabei schon fast Sorgen um seine Gesundheit machen musste, hörte sich so an, als ob er gleich in einen Würgeprozess käme oder quasi schon drin ist. Auf jeden Fall ging es um meine Hose, die nur so von bunten Flicken übersät ist. Die ist schön bunt, meinten beide zu mir. Der Latino fügte traurig noch an: In Südamerika habe ich auch immer bunte Sachen getragen.

Auf dem Weg nach Winterthur ging ich teils an der Bahntrasse entlang und wunderte mich über die Enge Zugfolge. Markus erklärte mir später, dass die Schweiz ein Blocksystem eingeführt hat, und dies nach und nach in ganz Europa umgesetzt werden soll. Zwei Züge können niemals im gleichen Block fahren, eine höhere Zugfolge und damit bessere Auslastung ist dadurch möglich.  Insgesamt hat die Schweiz ein absolut toptolles öffentliches Verkehrssystem. Man gelangt so gut wie überall hin mit Bus und Bahn, und das mit angenehmen Fahrzeiten und Top-Verkehrsmitteln. Da gibt es nichts zu deuteln – da ist die Schweiz ein absolutes Vorbild. Und die Züge sind auch leiser, wenn sie bremsen.
Die Stadt Winterthur hat schon mehrfach Preise für ihre Fahrradfreundlichkeit bekommen. Das konnte ich mir zusammen mit Carla und Markus im Selbsttest erfahren. Ist gibt auch alle möglichen Fahrradstrassen und tolle Fahrradwege abseits. Auf den Hauptrouten teilen sich die Fahrräder allerdings meist die Strasse mit den Autos – es ist einfach nur eine Spur für Fahrräder markiert.

In der Schweiz hatte ich auch ein paar Mitpilger. 2 für einen halben Tag, 2 für einen ganzen Tag. Hat mich sehr gefreut. Dank an Andrew, Gerd  und Elisabeth.

Baum
Am vorletzten Tag in der Schweiz war es mal wieder richtig warm. Die Sonne stach und ich hatte mir vorgenommen, an diesem Tag noch bis zu einem bestimmten Ort zu kommen, damit ich am Folgetag morgens bereits nach Kreuzlingen (CH) und Konstanz (D) einlaufen konnte.
2 Pausen hatte ich bereits gemacht. Bei einer dieser Pausen hatte mich auch schon ein Baum eingeladen, in seinem Schatten zu rasten.
Also, es war so etwa gegen 15:30 Uhr als ich einen wunderschönen, blühenden grossen (vermutlich) Birnenbaum sah. Er stand etwas ab von der Strasse und ich bewunderte seine wunderbare Schönheit und Pracht der Blüten. Schliesslich hörte ich: Komm zu mir in meinen Schatten und ruhe Dich ein wenig aus. Es war deutlich eine Einladung von diesem Baum. Aber ich wollte doch weitergehen, dachte ich so bei mir. Nein, das kann ich jetzt nicht machen, wenn ich mich jetzt zu diesem Baum begebe, komme ich aus meinem Zeitplan. Die Einladung stand weiter von diesem Baum und er wiederholte sie. Ich entschied mich dagegen und ging weiter. Immer wieder schaute ich mich zu dem Baum um – so eine eindringliche Einladung. Aber ich ging weiter. Nur ein paar hundert Meter weiter bemerkte ich, dass ich wirklich eine Pause brauchte, die Sonne so auf meine Birne stach, trotz Schirmmütze. Aber ich ging nicht zurück – wegen der Zeit?!?!? Aber ich schaute immer wieder zu dem wunderbaren Baum, während ich an einer anderen unbequemeren Stelle an einem Betonpfahl lehnte und mir für meinen Kopf einen Sonnenschutz aus meinem Pullover gebastelt hatte. Das passiert mir hoffentlich nicht noch mal, dass ich eine so tolle Einladung ausschlage.
Nachdem ich die Pause etwa 300 Meter von dem blühenden Baum entfernt beendet hatte, verbeugte ich mich in seine Richtung und ging weiter. Aber was hatte ich verpasst: Die Begegnung mit diesem Baum, ihn zu spüren und seinen Schatten zu geniessen - und das bei bestem Alpenausblick. Und ich hatte verpasst diese wunderbare Einladung gepaart mit der Weisheit dieses Baumes anzunehmen. Abends und am nächsten Tag dachte ich noch ganz oft an diesen Baum, jetzt auch noch manchmal. Ich weiss auch genau wo er steht. :-)

So gehts weiter

Von Zürich über Dübendorf nach Winterthur. Weiter nach Konstanz. Mit dem Schiffchen über den Bodensee nach Meersburg, Immenstadt, Friedrichshafen, Lindau nach Bregenz.

Friedenspilgerndes OsterRetreat.
Ab da beginnt das friedenspilgernde OsterRetreat mit etwa 6-10 Personen, samt Begleitfahrzeug. Freu mich schon riesig auf die etwas grössere Gruppe und die damit verbundenen Herausforderungen und Geschenke. JedeR ist herzlich eingeladen mitzupilgern.

Mehr siehe
http://www.steppps.net/steppps/termine-klangseite/

Unterwegs in der Schweiz

Liebe Grüsse zu Euch allen.
ich bin weiterhin unterwegs in der Schweiz. Und es ist wunderbar!!!!!

Preise
Zuerst hatte ich ein wenig Probleme – am ersten Tag – als ich auf einem Markt in Basel sah, dass ein Brot 12 CHF kosten sollte, etwa 9-10 Euro. Wie sollte ich hier, in diesem Land überleben? Später stellte sich heraus, dass es wohl ein spezieller Stand war – und ungewöhnlich teurer.
Auch hatte ich ein kleines Vorurteil, weil manchmal das Gerücht kusiert, die Schweizer hätten ein Problem mit den Deutschen. Es ist wohl auch ein Missverständnis zwischen zwei Ländern, allerdings mache ich diese Erfahrung so gut wie gar nicht.
In Basel hilft mir eine alte Frau, mit der ich gar nicht spreche, zu Verstehen: Ueberall gibt es Menschen, die aus ihrer vollen Herzkraft leben, genauso wie in Deutschland. Diese Frau befindet sich in einem kleinen Hanggarten. Hier wachsel all die vielen Frühlingsblumen und auch die wilden Primeln, die in der Schweiz einfach überall zu finden sind. Und das anrührende ist – sie giesst und herzt mit einer völligen Hingabe jedes einzelne dieser mehr als hundert Primeln. Wie wunderschön anzusehen.

Rabe und Zieglein – Tod und Geburt
Innerhalb von 2 Tagen komme ich in Kontakt mit Tod und Geburt.
In der Nähe vom Goetheanum in Dornach sehe ich einen zuckenden Raben in einem kleinen trockenen Graben liegen. Er muss gegen einen Baum geflogen sein, oder vielleicht auch gegen ein Auto. Was tun mit ihm.
Nachdem ich mich mit ein paar Spaziergängern berate, hebe ich ihn auf und will ihn in den Wald tragen, damit er in Ruhe sterben kann. Sobald ich ihn in der Hand halte, beruhigen sich die Zuckungen der Flüge deutlich. Schliesslich entscheide ich mich, ihn zu halten. Ich lehne mich an eine Buche und halte ihn in meinem Schoss – eine Hand unter seinem Körper, die andere die Flügel haltend. Es dauert lange, bis sich auch die Nevenzuckungen an seinem Schwanz legen – etwas mehr als eine Stunde. Schliesslich schläft er in meinen Händen ein, das Herz und die Zuckungen kommen zum Stillstand. Frieden.

Zwei Tage später werde ich gegen 9 Uhr morgens Zeuge einer Geburt eines Zickleins. Ein Spaziergänger macht mich darauf aufmerksam und sagt noch, mit jedem Atemzug wird das Zicklein stärker werden. Und so ist es dann auch. Nach der Geburt leckt die Mutter ihr Junges ab. Das erst so schlappe etwas wird dadurch und durch den Atem stärker und stärker. Schon nach 20 Minuten, hat es es geschafft, auf eigenen Beinen zu stehen.
Werden und Vergehen – beides fühlt sich leicht an. Hineinschlüpfen in diese Welt und wieder diese Welt verlassen. Ein Erwachen in dieser Welt – ein Hinausgleiten aus dieser Welt.

Die Landschaft
ist wunderbar. Ueber das Jura-Gebirge – etwa 1.100 Meter – an einem wunderbaren Tag kommend sehe ich später in der Ferne die schneebedeckten, fast unwirklich erscheinenden, wunderschönen Alpen. Auch Tage später ergreift mich nicht der Wunsch – wie sonst gerne üblich – meine Route ändern zu wollen, vielleicht gerne über die Alpen gehen zu wollen. Nein, es ist gut so wie es ist, meine Route ist diesmal eine andere und ich geniesse es tagtäglich.

Meine Gastgeber
sind fantastisch. Fast überall bin ich herzlichst willkommen. Die Türen öffnen sich und ich schliesse die Schweizer in mein Herz, geniesse ihre Präsenz und die Natur. Fast überall erlebe ich, dass ich in Häuser gerate, in denen biologisches Essen Vorrang hat.

Nach Zürich kommend,
bemerke ich, wie ruhig die Stadt ist. Nicht der sonst übliche Lärm, den eine Stadt mit sich bringt. Ich empfinde es als wesentlich leiser, als sonst, wenn ich aus der Natur ein eine Stadt hineinkomme. Dies liegt sicherlich an einem anderen Bewusstsein – auch an dem unglaublich guten Nahverkehr, mit Bus, Bahn etc.
Bei Andrew, der mein Bettnachbar aus Plum Village (WinterRetreat) war, komme ich unter. Abends trifft sich seine Meditationsgruppe – und wir meditieren zusammen, wie schön.

Aus dem “Kurzen Einblick in die Schweizer Route” grüsse ich Euch alle von Herzen
Thomas

Strecke aktuell – bis Zürich

23.3. Müllheim-Kandern
24.3. Märkt
25.3. Basel-Binningen (CH)
27.3. Gempen (CH)
28.3. Oberdorf (CH)
29.3. Olten-Oberwil (CH)
30.3. Schöftland (CH)
2.4. Seengen (CH)
3.4. Berikon (CH)
4.4. Zürich- Neu Affoltern (CH)

km
diese Etappe 237 km / gesamt 6.024 km

Die Karte ist wieder aktuell
http://www.quikmaps.com/ext2/79054?t=1&ln=0&sn=1&zb=0&d=1&o=0&lat=51.088200199999996&lng=11.160993600000001&zl=7&mt=2

Dreilaendereck / Jetzt in der Schweiz

Liebe Blog LeserInnen,
inzwischen bin ich in er Schweiz, in Basel, angekommen. Stefan habe ich nicht mehr getroffen?! Hatte aber schon seit vorgestern das Gefuehl, das wir uns nicht mehr begegnen werden auf der Tour.
Meine netten Gastgeber, Rene und Daniela, haben mich zu einem Pausentag eingeladen, den ich mit leckerem Fruehstueck mit den beiden begonnen habe.

Dreilaendereck
Aus dem Schwarzwald kommend hatte ich vorgestern meinen Weg Richtung Rhein gelenkt und war in dem kleinen Oertchen Maerkt bei Christa und Friedrich untergekommen, beides sehr interessierte Russlandreisende und -begeisterte. Der Ort hatte mich angezogen, wie ich jetzt annehme, besonders wegen der Ereignisse am naechsten Tag, also gestern. Friedrich hat uns einen ganz besonderen Roesti in der Pfanne gemacht, zusammen mit selbst eingemachten Tomaten und Salat. Die Machart des Roesti habe ich jetzt in mein Kochrepertuar aufgenommen und werde es spaetestens wenn ich im Juli wieder zu hause bin, in diversen Variationen nachmachen. Hmmmm und lecker.
Am naechsten Morgen verliess ich dann gegen 7 Uhr das Haus und begab mich erst mal zur Schleuse, die einen Weg nach Frankreich darstellt. Zurueck nach Deutschland, nach einem kurzen Minifruehstueck mit Knaeckebrot und Apfelsaft auf der Bank.
Die naechste deutsch-franzoesische Verbindung stellt die Palmrainbruecke dar und ist die letzte Verbindung fuer Autos von Deutschland nach Frankreich. Die schweizerische Grenze ist von der Autobruecke etwa 200 Meter suedlich (Dort gibt es eine Fussgaengerbruecke). In fast der Mitte der Bruecke angekommen schaute ich in den Rhein und begann zu singen. Toene die Erde und Herz miteinander verbinden.  Hinter mir staute sich der Verkehr fast bis in die Mitte der Bruecke Richtung deutscher Seite. Ich fragte mich, wann und ob die Autos wohl hinter mir zum Stehen kommen. Mit Spannung habe ich frueher das Entstehen eines Staus beobachtet und irgendwie erinnerte ich mich hier daran und beobachtete die Situation mit Interesse. Die ganze Zeit sang ich weiter.
Das Toenen fuehre ich gerne beim Pilgern durch, vor allem zur Heilung, hier fuer diesen Grenzort. Wenig vorher hatte ich ein Denkmal gesehen, an denen Soldaten gedacht wurde, die sich bei der Schlacht am Rhein umgebracht haben.
Ich beobachtete weiter, dass die Autofahrer wenig Abstand hielten und manchmal gefaehrlich in die Bremsen gehen mussten. Hier war ich mehr der Beobachter und lenkte meine Gedanken nicht dahin gehend, dass vielleicht mehr Achtsamkeit entstehen konnte. (Dies aus der Sichtweise von hinterher). Schliesslich kam es dann tatsaechlich zu einem Unfall auf der Bruecke, direkt in meiner Hoehe, vielleicht 10 Meter von mir entfernt krachte ein franzoesischer Fahrer auf einen davor fahrenden Wagen. Die Wucht war so gross, dass ein dritter Wagen beteiligt wurde, weil das 2. Auto auf den 3. geschoben wurde. Die Fahrerin des 2. Autos wurde erst mal nicht verletzt, nehme an dass sie heute eine Halskrause traegt (Schleudertrauma). Die ganze Zeit sang ich weiter.
Die Polizei kam dazu, spaeter der Abschleppwagen. Ich beobachtete den gesamten Hergang, vom Aufprall bis zum Abschleppen des letzten Autos. Das dauerte etwa 1 1/2 Stunden. Die ganze Zeit habe ich gesungen.
Nach dem Unfall veraenderte sich der Gesang erst nicht, immer noch Erd-Herzverbindung, dann langsam, fast unmerklich wechseld zwischen Erd-Herz zu Herz-Himmelverbindung.
Die Schuldfrage hier beim Unfall war eindeutig und doch tauchten da noch mehr Varianten auf, die mit dem Dreilaendereck und den drei Laendern zu tun hatten und mit dem Beobachter (koennte hier auch ggf. stellvertretend fuer die Schweiz stehen.) Ich fragte mich, als Beobachter, trage ich evtl. hier ein Mitschuld? Insofern, dass ich keine besseren Gedanken in die Welt – hier beim Entstehen des Staus zu den Verkehrsteilnehmern geschickt habe?
In meinem unteren Bauch spuerte ich das Gefuehl der Schuld und sang weiter. Haette der Unfall durch andere Gedanken vermieden werden koennen? Schliesslich landete ich bei der “Schuld”, die hier noch aus dem 2. Weltkrieg oder davor haengengeblieben ist und besang, bearbeitete diese Thematik. Alle moeglichen persoenlichen und nicht persoenlichen Ebenen von Schuld kamen hier zum Vorschein.
Hatten sich diese Unfallbeteiligten fuer eine Thematik zur Verfuegung gestellt?
Schliesslich – ich sang natuerlich immer noch weiter – wurde mir folgendes bewusst. Dieser Unfall hat weitreichende Auswirkungen im Sinne des Interseins. Erst einmal kamen Gedanken zu mir, wie hoch wohl der Schaden ist, vielleicht 20.000 Euro. Wie lange muss ein Mensch arbeiten, oder halt diese 3 Beteiligten, um den Schaden wieder ersetzen zu koennen.
Dann. Wer ist alles beteiligt an der Beseitigung der Schaeden, der Wiederinstandsetzung und dem Ereignis ueberhaupt. Erst einmal die Polizei, der Abschleppdienst, die Reparaturwerkstaetten, die Versicherungen. Dann auch all die Menschen, mit denen jetzt die Unfallbeteiligten ueber das Ereignis reden werden, die Angehoerigen, die Menschen, mit denen neue Termine gemacht werden muessen (geplatzte Verabredungen)…….
Um die Reparatur durchzufuehren, muessen neue Teile bestellt, gefertigt, produziert werden. Diese Teile bestehen aus Materialien, die irgendwo auf dem Planeten aus der Erde geborgen werden muessen. Diese Materialien und Gegenstaende werden transportiert…… Unzaehlige Menschen sind daran beteiligt und diese wohnen wiederum an unterschiedlichsten Orten und Laendern auf dieser Erde. Mir wurde bewusst, wieviele, wie unglaublich viele Menschen daran beteiligt sind, dass diese Autos wieder fahrbar werden, bzw. durch neue ersetzt werden. 
Und heute waren hier mindestens 500 oder mehr Menschen daran beteiligt bzw. involviert, weil sie durch einen Stau an diesem Unfall verlangsamt wurden. Vielleicht kamen dadurch wieder einige spaeter zu ihren Verabredungen……
Der Abschleppdienst hatte inzwischen ein wenig aufgerauemt, es lagen aber immer noch recht viele Scherben auf der Strasse. Ich fragte mich schon, ob es so bleiben sollte. Ja, da saeuberten, fegten die Abschleppleute die  Stelle noch mal. Es sah aus, ob hier Lichtstaub, Sternenstaub auf der Strasse zusammengefegt wurde. Dieser Moment erschien mir fast als Heilig, heilend, sichtbarmachend des Heilprozesses auf der Bruecke. – Naeher am Dreilaendereck haette der Unfall nicht passieren koennen.
Als alle weg waren und sich der Stau aufgeloest hatte, begab ich mich in den franzoesischen Grenzort Huningue. Mein Ziel war die dortige Kirche, wo ich sofort von dem Kirchenpraesidenten empfangen wurde, der die Renovierung der Kirche geleitet hatte. An diesem Tag wollte der Architekt nochmals vorbeikommen und Bilder machen. Der Kirchenpraesident sagte mir. “Es ist jetzt alles fertig – vollstaendig renoviert”. (Hat er dies uebertragen fuer die Grenze gesagt)
Dann ging ich auf die Dreilaenderbruecke (nur fuer Fussgaenger) und warf einen Stein in den Rhein, errichtete eine Lichtsaeule und eine Verbindung zum Lichttempel Angeln.
In Basel angekommen, gab es erst einmal, nach dem ereignisreichen Morgen Erholung auf einer Parkbank am Rhein incl. Nickerchen in fast schon vorsommerlicher Sonne.
Pilgernd
Thomas

Im Schwarzwald

Nach einem Pausentag in Britzingen ging es denn nun heute weiter. Wir hatten uns extra eine direkte Strecke ausgesucht und ich habe es geschafft, uns heute 3 mal in die Irre zu führen. Schliesslich – nach 3 Stunden – erst Luftlinie ca. 5-6 km vorangekommen brauchte ich eine Pause und wollte ein Nickerchen machen. Das musste erst mal für mich sortiert werden und da wollte ich innehalten, um zu sehen, fühlen, was da passiert war.
Plötzlich steht Stefan neben mir, spricht mich an, wo ich doch gerade kurz vor dem Einschlafen bin, und verabschiedet sich. Er habe das Gefühl, das wir zusammen nicht in 3 Tagen in Basel ankommen werden, deshalb wolle er jetzt alleine vorangehen. Ich bin relativ sprachlos und verabschiede mich von ihm. Weg ist er! Ich ein bisschen traurig, finde nicht mehr ins Nickerchen aber ruhe noch ein wenig in der Sonne.

Abends treffe ich Kirsten mit Hund im Wald, lädt mich gleich ein in das Regenbogenhaus in Kandern. Dirk und die Kinder Ida, Luca und Tom warten schon am Abendbrottisch und freuen sich über die mitgebrachten Steine. Anschliessend wird noch etwas am Kicker gespielt – Männerrunde vierhändig.

Es geht mir gut, heute geht es etwas früher ins Bett.
HerzGruß
Thomas